Methodenkritische Stellungnahmen (Familienrecht)

Was ist eine methodenkritische Stellungnahme

Familienpsychologische Gutachten behandeln etwa gerichtliche Fragestellungen zur elterlichen Sorge, Kindeswohlgefährdung, Erziehungsfähigkeit, Rückführung fremduntergebrachter Kinder und zum Umgang. Sie können eine wesentliche Entscheidungsgrundlage des auftraggebenden Gerichts darstellen.

Eine methodenkritische Stellungnahme im Familienrecht prüft die methodische und fachliche Qualität eines bereits erstellten familienpsychologischen Gutachtens.

Hierbei spielt es zunächst keine Rolle, ob das Gutachten von einem Psychologen, Psychiater, Sozialpädagogen, Psychotherapeuten oder anderem Berufsangehörigem erstellt wurde, so lange das Gutachten familienpsychologische Fragestellungen beantwortet und hierzu psychologische Methoden eingesetzt werden. Allein das Gutachten als Werk des Sachverständigen wird einer Beurteilung unterzogen und muss sich an fachlichen und formalen Standards messen lassen.

 

Sachverständigengutachten vs. Privatgutachten

Das Privatgutachten bzw. die methodenkritische Stellungnahme unterscheidet sich in folgenden Punkten von einem gerichtlich beauftragten Sachverständigengutachten:

  1. Die Beauftragung erfolgt privat und nicht gerichtlich. Die methodenkritische Stellungnahme ist daher vom Gericht als sog. qualifizierter Parteivortrag zu werden. Das Gericht muss sich mit der methodenkritischen Stellungnahme auseinandersetzen, ist aber nicht dazu verpflichtet, der privatgutachterlichen Einschätzung zu folgen.
  2. Es erfolgt keine eigene Datenerhebung im Sinne psychologischer oder diagnostischer Untersuchungen. Alleinige Grundlage der Beurteilung ist das familienpsychologische Sachverständigengutachten. Eventuell sind Schriftsätze oder Berichte miteinzubeziehen, auf die das Sachverständigengutachten Bezug nimmt.
  3. Die dargestellten Daten im Sachverständigengutachten werden als korrekt vorausgesetzt (d. h. Gesprächsinhalte, Testergebnisse, Beobachtungen). Ob ein Gutachten etwa Gesprächsinhalte falsch wiedergibt, kann im Wege einer methodenkritischen Stellungnahme im Familienrecht nicht geprüft werden. Wir können nur Fragen zur gutachterlichen Methodik beantworten, nicht zur Wahrheit.

Eine methodenkritische Stellungnahme beantwortet also keine gerichtlichen Beweisfragen. Es wird nur die Qualität eines bereits erstellten familienpsychologischen Gutachtens überprüft.

 

Qualitätskriterien

Eine korrekt erstellte methodenkritische Stellungnahme unterliegt grundsätzlich denselben Anforderungen, wie ein gerichtlich beauftragtes Sachverständigengutachten. Dies beinhaltet folgende Kriterien:

  • Transparenz
  • Wissenschaftlichkeit
  • Nachvollziehbarkeit

Diese übergeordneten Qualitätskriterien spiegeln sich auch in den familienpsychologisch relevanten Mindeststandards wieder und werden dort aufgezählt. Anhand dieser Kriterien nehmen wir die Prüfung des zu beurteilenden Sachverständigengutachtens vor. Hierbei konzentrieren wir uns auf die Ebene des gutachterlichen Handelns und Schlussfolgerns. Mängel in der Abfassung des schriftlichen Gutachtens (d. h. formale Mängel) werden weniger berücksichtigt. Sie wiegen aus fachlicher Sicht schwer und sind leicht nachzubessern.

Aussagen zur Qualifikation des Sachverständigen machen wir nicht. Wenn Sie die Formalqualifikation des Sachverständigen überprüfen möchten, können Sie dies über Ihren Anwalt beim auftraggebenden Gericht tun.

 

Zu beachten vor Beauftragung

Daraus folgen einige wichtige Punkte für die Beauftragung:

  • Vor Erstellung einer methodenkritischen Stellungnahme muss das Sachverständigengutachten zunächst auf formale und fachliche Qualitätsmerkmale geprüft werden.
  • Die Erstellung einer methodenkritischen Stellungnahme kann nur erfolgen, sofern gewichtigte Mängel gefunden wurden, die einen Einfluss auf die Empfehlung des Sachverständigen haben. Grob gesagt sollte die objektive Möglichkeit bestehen, dass ein anderer Sachverständiger zu einer anderen Beantwortung der Beweisfragen bei grundsätzlich gleicher Daten- und Befundlage gelangen kann. Besteht keine Ergebnisrelevanz der Mängel, ist die Erstellung einer methodenkritischen Stellungnahme meist nicht gerechtfertigt.
  • Die Prüfung auf Mängel erfolgt ergebnisoffen. Es können auch solche Mängel aufgedeckt werden, die zu prozesstaktischen Nachteilen für die auftraggebende Partei führen. Weiterhin ist möglich, dass keine schweren Mängel aufgefunden werden und wir die Erstellung einer methodenkritischen Stellungnahme ablehnen.
  • Alle inhaltlichen Kontakte zwischen Ihnen und uns werden in einem Transparenzbericht in der methodenkritischen Stellungnahme offengelegt, um Transparenz herzustellen. Hiermit stellen wir die Qualitätsstandards sicher, zu deren Prüfung sie uns beauftragen.
  • Wir führen unabhängig vom Ausgang der Prüfung keine Beratung oder gar ein Coaching zu Begutachtungsthemen durch.
  • Sofern sonstige berufsethische Ausschlussgründe für die Gutachtenprüfung vorliegen, teilen wir dies vor Auftragsannahme mit.

 

Erfolgsaussichten

Die Erfolgsaussichten einer privatgutachterlichen oder methodenkritischen Stellungnahme sind generell als eher gering im Sinne der auftraggebenden Partei einzuschätzen. Hierfür sind folgende Gründe ausschlagegebend:

  • Häufig sind methodenkritische Stellungnahmen selbst voller Mängel hinsichtlich der genannten Qualitätskriterien (v. a. mit Blick auf Objektivität und Neutralität), sodass aus gerichtlicher Sicht schon ernsthaft die Frage nach der Verwertbarkeit vieler Stellungnahmen gestellt werden muss.
    Generellen Vorbehalten der Gerichte gegenüber methodenkritischen Stellungnahmen versuchen wir mit maximaler Transparenz zu begegnen.
  • Auch ein mängelbehaftetes Sachverständigengutachten unterliegt der freien Beweiswürdigung durch das Gericht. Es kann seine Entscheidung nach wie vor auf unstrittige oder fachlich korrekte Inhalte des Gutachtens stützen.
  • Das Gericht kann dem Sachverständigen mündliche oder schriftliche Ergänzungen gestatten. Es kann außerdem Nachuntersuchungen erlauben, um Mängel zu beheben. Bei den meisten Mängeln, die auch in vielbeachteten Studien dargelegt wurden, ist dies problemlos möglich und eine absolut adäquate Verfahrensweise. Es handelt sich nämlich meist um rein formale Mängel. Daher werden formale Mängel im Rahmen unserer Prüfung nicht weiter beachtet.
  • Der fachliche Ermessensspielraum des gerichtlichen Sachverständigen wird weit ausgelegt. Ob sich ein Sachverständiger im Zweifelsfall einer fachlichen Mindermeinung anschließt, obliegt allein seinem pflichtgemäßem Ermessen.
  • Das Gericht kann ein weiteres Gutachten in Auftrag geben oder auf Basis eigener Erkenntnisse bzw. anderer Beweise auch ohne weitere Begutachtung fortfahren.

Dennoch ist die privat beauftragte Stellungnahme oft die einzige Möglichkeit, fachliche oder methodische Mängel eines Sachverständigengutachtens noch während des Verfahrens aufzudecken und das Gericht sowie den Sachverständigen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit den Mängeln zu bewegen.

 

Zu erwartende Kosten

Die Kosten hängen vom Arbeitsaufwand ab und werden analog den Regelungen für gerichtliche Sachverständige gemäß JVEG vergütet. Sie bewegen sich je nach Umfang des zu prüfenden Gutachtens und Länge der methodenkritischen Stellungnahme meist zwischen insgesamt 1.500,00 EUR und 3.000,00 EUR inkl. MwSt. Bei besonderem Eilbedürfnis wird ein Zuschlag fällig, da Eilaufträge regelmäßig nur durch Arbeit zu Unzeiten bewältigt werden können (z. B. Wochenende, Feiertage, Urlaub). Eine Eilbearbeitung kann nicht garantiert werden!

Eine genauere Kostenschätzung und Kalkulation können wir Ihnen nach Kontaktaufnahme liefern. Für beide Teilaufträge (Prüfung des Gutachtens, Erstellung der methodenkritischen Stellungnahme) ist jeweils ein Vorschuss in Höhe der zu erwartenden Kosten zu leisten, damit der Auftrag angenommen werden kann.

Es muss damit gerechnet werden, dass die Kosten vollständig privat zu tragen sind. Uns sind obergerichtliche Urteile bekannt, dass die Kosten für Privatgutachten und methodenkritische Stellungnahmen zumindest unter gewissen Umständen über staatliche Hilfen vorgeschossen werden können. Ob die Kosten letztlich anderweitig (z. B. durch eine Rechtschutzversicherung oder Verfahrenskostenhilfe) getragen werden können, besprechen Sie bitte mit dem jeweiligen Kostenträger oder Ihrem Anwalt.

 

 

Kontaktaufnahme

Bitte lesen Sie sich vor Kontaktaufnahme den exemplarischen Ablauf einer Beauftragung durch.

Sie können uns per E-Mail unter info@pfr-breuer.de oder telefonisch unter der Rufnummer 0211 975 366 430 erreichen. Wir melden uns schnellstmöglich zurück.

Ablauf für Privatpersonen

Schritt 1: Anwaltliche Beratung einholen

Holen Sie vor Beauftragung unbedingt anwaltlichen Rat ein.

Mögliche Fragen hierfür:

  • Macht die Einholung einer Stellungnahme prozesstaktisch Sinn? Was bringt eine Stellungnahme zu diesem Zeitpunkt und unter diesen Umständen für mein Anliegen?
  • Wie sind die Erfolgsaussichten anwaltlich einzuschätzen?
  • Welcher Schaden in materieller und menschlicher Hinsicht ist bei einem Misserfolg zu erwarten?
  • Wer trägt die Kosten der Stellungnahme?

Schritt 2: Kontaktaufnahme

Schildern Sie uns Ihren Fall kurz per E-Mail an info@pfr-breuer.de und schicken Sie uns das Gutachten sowie eventuell anliegende Berichte oder Schriftsätze zur Prüfung ein. Wir teilen Ihnen die zu erwartenden Kosten mit, bevor wir unsere Arbeit aufnehmen.

Hinweis: Gutachtendateien werden nur als gut lesbare PDF-Datei – ohne jegliche Anmerkungen oder Ergänzungen – angenommen.

Schritt 3: Prüfung des Gutachtens

Das Gutachten wird auf methodische, formale und fachliche Mängel geprüft.

Hinweis: Die Prüfung des Gutachtens ist kostenpflichtig und beträgt meist um die 35% der Gesamtkosten.

Schritt 4: Rückmeldung der Prüfungsergebnisse

Die gefundenen Mängel werden Ihnen im Wesentlichen kurz mit ihren Auswirkungen auf die gutachterliche Empfehlung mitgeteilt. Wir warten dann auf Ihre Freigabe zur Erstellung der Stellungnahme, bevor wir fortfahren.

Hinweis: Sofern keine gewichtigen Mängel gefunden werden, kann keine Stellungnahme erstellt werden.

Schritt 5: Erstellung der Stellungnahme

Nach Ihrer Freigabe beginnen wir mit der Erstellung der Stellungnahme. Diese wird sowohl elektronisch als auch postalisch per Einschreiben an Sie oder Ihren Anwalt versandt.

Hinweis: Die Erstellung der Stellungnahme ist kostenpflichtig. Zumeist entfallen 65% der Gesamtkosten auf die Erstellung der Stellungnahme.